Geistlicher Chor der Katholischen Hochschulgemeinde Köln
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  Impuls aus Mariengottesdienst 28. Mai 2008 25.03.2017 05:46 (UTC)
   
 

Ein paar Gedanken zu Johannes 2, 1-12 (Hochzeit zu Kana)

 

„Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

 

Harter Tobak. Und in dieser Übersetzung klingt das noch beschönigt; korrekter müsste es so ähnlich heißen: „Was ist zwischen dir und mir, Weib?“ Selbst heutzutage würden die meisten unter uns ein mulmiges Gefühl bekommen, wenn jemand so mit seinen Eltern redet. Und hier ist es kein Fall für die Super-Nanny, sondern Jesus, der seiner Mutter diese Worte wie eine Ohrfeige ins Gesicht knallt. Seiner Mutter, die gerade im Monat Mai besonders verehrt wird als Mutter Gottes, als Königin des Himmels, als Fürsprecherin und Mittlerin, als große Helferin auf dem Weg zu Gott.

 

„Was willst du von mir, Frau?“

 

Ja, was will sie an dieser Stelle von ihm? Erst einmal ist sie diejenige, die sieht, dass das Fest zu scheitern droht, weil nicht genügend Wein vorhanden ist. Sie kennt Jesus, sie weiß, wer er ist, und weil er von sich aus nicht auf die Situation reagiert, drängt sie ihn zum Handeln.

 

Dabei geht es nicht nur um einen Party-Trick zur Unterhaltung der Gäste, sondern möglicherweise auch um eine Anspielung auf die Apokalypse des Propheten Jesaja (Jes 24,1-27,13), wo das Weltende angekündigt wird, zu dessen Symbolen auch das Verdorren der Rebstöcke gehört: „Auf den Gassen jammern die Leute: Es gibt keinen Wein mehr!“ Nach dem großen Gericht über die Mächtigen der Erde wird Gott dann für alle Völker ein Festmahl mit den feinsten Speisen und erlesenen Weinen geben, den Tod beseitigen und alle Tränen abwischen (Jes 25).

 

Maria, die Frau, die sich das herbeiwünscht und die diese Prophezeiung auf Jesus bezieht, ist dieselbe, die an anderer Stelle singt: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, dass er unseren Vätern verheißen hat …“ (Lk 1,46-55).

 

Maria verlangt von Jesus also nicht mehr und nicht weniger, als dass er sich endlich öffentlich zu seinem göttlichen Auftrag bekennt, er soll sich sozusagen „als Messias outen“ und die Welt verändern, wie es verheißen wurde.  

 

Auf diese Aufforderung reagiert Jesus zunächst schroff und abweisend. Er versteht die Erfüllung seiner Sendung anders: Seine Stunde ist erst am Kreuz gekommen, zum Zeitpunkt seines Leidens und Sterbens. Auch seine Jünger werden später immer wieder in die Falle tappen, einen triumphierenden Messias zu fordern, der die Endzeit, das Weltgericht und die Umwälzung aller Dinge herbeiführt. Dass zu seinem Erlösungsweg vor allem das Kreuz dazugehört, können und wollen auch sie nur schwer verstehen. 

 

Die Geschichte von der Hochzeit zu Kana ist nicht die einzige Stelle in den Evangelien, in denen Jesus mit Maria umspringt, als wäre sie eine Fremde, die ihn nicht verstehen kann. „Wer ist meine Mutter?“, fragt er, als man ihm ankündigt, dass seine Familie gekommen ist. Und: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln“ (Lk 8,21).

 

Spätestens an dieser Stelle müsste die Sache mit der Marienverehrung generell haarig werden.

 

Was genau verehren wir da eigentlich? Nur die Tatsache, dass sie Jesus, den Sohn Gottes, geboren hat? Im Lukasevangelium versucht es eine Frau aus der Menge mit diesem Ansatz; sie ruft Jesus zu: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat.“ Jesus weist diese Art der Verehrung aber sofort zurück und kontert: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11, 27-28).

 

Auch wenn es sich zunächst so anhört: Dieser Satz ist keine Abqualifizierung Marias. Denn genau das hat sie schließlich getan. Sie war der Mensch, der sich Gott ganz und gar zur Verfügung gestellt hat. Dadurch wurde sie zur Mitarbeiterin im großen Heilsplan, zu dem Menschen, mit dem Gott einen neuen Anfang machen konnte.

 

Im Gegensatz zu Christus, der Gott ist und von Oben her Mensch wird, verehren wir in Maria einen Menschen, der sich in der anderen Richtung bewegt und aus der Erde heraus zum Himmel wächst, um dort Königin zu werden. In Maria steht vor unseren Augen ein Bild – ein Vor-Bild, ein Ausblick auf das, was wir sein könnten, wenn wir Gott nur ließen.

 

In den wenigen Bibelstellen, in denen Maria vorkommt, begegnet uns immer wieder eine Frau, die versucht, Jesus zu verstehen und von ihm zu lernen, die an ihm und mit ihm leidet – und trotzdem bei ihm bleibt. Auch sie muss in ihren Glauben erst schrittweise hineinwachsen. Auf diese Weise wird sie zur Mutter aller Glaubenden.

In diesem Sinn kann Maria uns auch heute noch helfen: als Begleitung und Unterstützung auf unserem Glaubensweg, den sie selbst schon kennt, weil sie ihn vor uns gegangen ist.

 

Schauen wir noch einmal zurück auf die Szene in Kana: Maria drängt Jesus also, sich endlich als der ersehnte Messias zu zeigen. Auch in unserem Leben gibt es diese Situationen, in denen uns sozusagen der Wein ausgeht, der Wein der Freude, der Liebe, der Hoffnung, des Vertrauens. Dann warten wir auch auf so ein Wunder, auf ein mehr oder weniger spektakuläres, aber auf jeden Fall deutliches Zeichen vom Himmel, das wir dringend brauchen, um uns auch weiter auf dem richtigen Weg zu fühlen. Wir fangen an zu beten: „Gott, ich weiß, dass du das kannst, also hilf mir jetzt.“ Und manchmal kann es sein, dass unser Gebet, unsere Bitte, erst einmal eiskalt abgelehnt wird. Die Stunde ist noch nicht gekommen.

 

Was tut Maria in dieser Situation? Sie bohrt nicht weiter nach. Aber sie gibt den Dienern einen Rat, der den Weg für das Wunder bereitet und der auch heute noch für uns gilt: „Was er euch sagt, das tut!“

 

Jesus als Retter und Messias anzusehen ist ja nicht falsch. Aber wir Menschen neigen doch allzu oft dazu, ihn zu manipulieren, ihm unsere eigenen Vorstellungen vom Verlauf unserer Rettung aufdrängen zu wollen. Erst wenn wir die Kontrolle an Gott abgeben, dann kann das Ersehnte einbrechen. Dann ist die Stunde doch gekommen. Dann geben wir Gott die Möglichkeit, sich auch in unserem Leben als Gott zu zeigen.

 

Nichts ist schwieriger, als Gott die Führung für das eigene Leben anzuvertrauen. Maria hat das selbst in mehreren harten Lektionen gelernt und will es nun an uns weitergeben. Und wenn wir sie darum bitten, gibt sie uns auch die Kraft, die uns dazu noch fehlt.

Christiane Müller MA
(Sopranistin im Geistlichen Chor der KHG)


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